Wie kommt man an die überhaupt noch ran?

Dez 8th, 2006 | By | Category: Gesellschaft

Hilflosigkeit … Lehrer, Eltern bis hin zum Jugendgruppenleiter bei den Pfadfindern und dem Jugendtrainer im Sportverein, vom einfachen Passanten ganz abgesehen. Hilflosigkeit gegen jugendliche Aggression, gegen Vandalismus, Pöbeleien.
»Schönes Fahrrad« sagte im Sommer ein vielleicht 14-jähriger vieldeutig, selbstbewußt in einer kleinen Gruppe stehend zu meiner Schwiegermama. Als ich dazu stieß wanderte man in aller Ruhe ab, als wäre doch nichts. »Wahnsinn« meinte mein Vater, in der S-Bahn auf dem Weg in die Frankfurter City, jede einzelne Scheiben kaum durchschaubar, da akribisch zerkratzt, »früher hätte man da die Kerle am nächsten Bahnhof einfach rausgeworfen oder jemandem am Bahnhof übergeben«. – Schon klar, früher war alles besser… – aber was war denn anders?

Wer in pädagogischer Verantwortung steht sagt meistens, man sei bei sowas hilflos, weil einem keine Mittel mehr bleiben, wenn Einsicht und Überzeugung gar nicht mehr erreichbar sind. Wenn Widerstand gegen jede Art von Zugeständnis an ein gemeinsames Leben einfach zur Grundhaltung gehört, Zerstörung nicht mal mehr einen Ausdruck haben, sondern einfach der Kurzweil dienen.

Schlagen war sicher nie eine Lösung, aber manchmal hat man das Gefühl, das heute gar keine Sanktion mehr greift. Alles prallt ab, juristische Strafen greifen eh erst ab Strafmündigkeit, und finanziell ist es bei den einen sowieso permanent desaströs oder man ist autark, weil die elterliche Fürsorge und Zuwendung sich eh nur noch auf das Portemonnaie beschränken – für Alternativen hat man keine Zeit oder es fehlt die Lust.

Rozana berichtet über Hallschlag, ein Viertel von Bad Cannstatt und sowas wie sozialer Brennpunkt, und eine kleine Begebenheit mit Jugendlichen, die als Strafe den Schulhof säubern mussten:

So ist es eigentlich kein fremdes Bild, wenn man, selbst als Schüler, im Pausenhof steht und um einen herum laufen die Jugendlichen in ihren überdimensionierten Markenklamotten, in die sie nie hineinwachsen werden, umher, um das Laub und sonstigen Müll einzusammeln.
Und heute war die Polizei besonders gut gelaunt, denn als die Patrouille im Wagen an den gestraften Schülern vorbeifuhr, ertönte der Lautsprecher in voller Lautstärke mit: “Hey, Du hast da was vergessen!” und fuhr gemütlich weiter.

Demütigung als letzte Form der Sanktion die ankommt? Ist es das?

Es mag vielleicht gehässig sein von der Polzei und auch von denen, die dann laut gelacht haben (auch ich), es mag vielleicht wirklich nicht nett sein, noch lauter zu lachen, weil sich die Gesichtsfarbe der angesprochenen Kids passend zum Rosa der Caps verfärbt hat, weil man ja stets beigebracht bekommen hat, sich nicht auf Kosten Anderer zu amüsieren und so. Aber dieses Mal stehe ich dazu – denn die Jungs stecken das “Müll einsammeln” garantiert besser weg als das “Ausgelacht werden”. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung.

Sicher, es wirkt, aber werden dadurch die Gräben nicht noch tiefer? Oder sollte man auch einmal aufhören sich andauernd darüber Gedanken zu machen, was denn die Kindlein alles belasten könnte und sich statt dessen mal wieder damit auseinanderzusetzen, wie man sie wirkungsvoll sanktionieren kann – um ihnen klar zu machen, dass sie damit eben nicht mehr durchkommen und dass sie durch ihr tun alle anderen nicht mehr belästigen durfen.

Ich weiß es nicht.

Aber man sollte drüber reden.

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Ich glaub, das war's.