Lieber 72.124.456.997.456.132ter (von links),
Mrz 10th, 2008 | By Alexander | Category: Essentials, Freizeit, Gesellschaftschön dass du mich auf deinen Studien zur Erfassung der ersten Jahrzehnte der digitalen Welt im Archiv gefunden hast. Ich hoffe Du hast viel Interessantes hier entdeckt, aber interessanter wird sicher für dich jetzt gerade die Frage sein, woher ich wusste, dass Du einmal hier sein würdest…
Aber eines nach dem anderen.
Der Tag des normalen Erdenbürgers, der Dir gerade schreibt, begann unspektakulär und doch phantastisch. Ich spielte Schach in der Bahn, wenn Dir das was sagt, also wenn es Schach in euren Zeiten noch geben sollte. Wundern würde es mich nicht, denn das Spiel hat schon einiges überlebt. Dieses Schach war nun nicht das phantastische, dennoch sei das erwähnt, denn mittlerweile kann man dieses Spiel auf seinen portablen kleinen Telefon-Computern auch schon in unseren Tagen spielen. Ich spielte das als Kind noch gegen andere Menschen oder auch gegen einen Schach-Computer an einem Brett mit echten Spielsteinen, dabei musste man – also beim Schachcomputer – die Felder mit dem Finger leicht andrücken. Schach hat aber allgemein etwas phantastisches, es schärft deine Aufmerksamkeit, hat quasi unzählige Möglichkeiten der Entwicklung und sagt vor allem auch eine Menge über einen selbst aus. Über Konzentration, über Logik, aber auch über deine Persönlichkeit. Der eine stürzt sich Hals über Kopf in die “Schlacht”, der andere spielt aus einer soliden Deckung und wartet auf die eine entscheidende Möglichkeit. Der eine sucht möglichst schnell das Brett übersichtlicher zu machen und Figuren zu tauschen, der andere liebt die Fülle an Optionen und möglicher Winkelzüge und will daher ein Abtauschen vermeiden. Das Spiel beginnt eigentlich oft ähnlich, man nennt das Damengambit, eine beliebte Eröffnungsvariante, die zunächst alle Möglichkeiten offen lässt für beide Spieler. Mein Spiel heute morgen endete mit einem sudden death. Eine einfache Situation, ich übersah einen eigentlich leicht zu parierenden Angriff und Schach Matt durch Dame vom Läufer quer über das Spielfeld gedeckt. Ich beendete nachdenklich das Spiel.
Das eigentlich phantastische kam dann auf dem Weg zwischen Bahnhof und meiner Arbeitsstelle (die man – ich weiß ja nicht wie das bei euch sein wird) in der Regel noch physisch aufsucht und dort seine meiste Zeit zubringt. Ich sinnierte gerade über dies und das und fühlte mich bei diesen unglaublich schönen Sonnenschein, der durch meine Sonnenbrille drang, hervorragend, vor allem weil das Wolkenschauspiel sich dieses mal selbst überbot mit seinem Wechsel aus tiefschwarz bis grellweiß und dazwischen immer wieder der Blick auf strahlendes Blau. Und dann drang er in meine Nase, dieser Duft frisch gerösteter Bohnen eines klassischen italienischen Cafés mit gediegener Holzeinrichtung, das sich in seinem Schwerpunkt auf eine gigantisch elegante Trese konzentriert. Dieser kleine Duft ließ aus allen Eindrücken und Gedanken des Morgens ein Zusammenhang werden. Vertrieb die Flüchtigkeit und machte aus einem ganz normalen Morgen eine kleine Besonderheit, von der Du nun lesen kannst.
Einen schönen Tag noch.


