Künstliche Intelligenz – Muß ich den Test verstehen?

Mrz 12th, 2008 | By | Category: Gesellschaft, Netzwelt

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Also noch mal lesen bitte.

Drei Avatare, zwei menschliche und ein Roboter, stehen vor einem roten und einem grünen Koffer. In dem roten liegt eine Pistole. Der eine menschliche Avatar verlässt die Szenerie und kommt kurz darauf zurück. Inzwischen legt der andere die Pistole in den grünen Koffer. In welchem vermutet der Zurückgekehrte die Waffe? Im roten, sagt der Roboter-Avatar. Ist doch ganz einfach, oder?

Kapiert? Also ich nicht. Also wenn drei im Raum stehen und einer geht raus, was sagt mir das aus, wo eine verf*** Kanone liegt? Ist das sowas wie Schrödingers Katze für Nerds?

Also wenn der menschliche Avatar raus und rein geht, hat das für mich so viel für das Experiment zu bedeuten, wie die Frage nach den Farben seiner Schuhe. Jedenfalls im beschriebenen Experiment-Aufbau. Aber mal noch mal langsam.

Bei Golem.de dazu weiter:

Nein, ist es nicht. Denn der Roboter-Avatar wird von einer Software mit künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert, und diese hat soeben den Test über den falschen Glauben bestanden. Mit diesem Test prüfen Psychologen, ob jemand zwischen seinen eigenen Überzeugungen und den Überzeugungen anderer oder der Realität unterscheiden kann und ob er Abweichungen dazwischen in seine Handlungsvorhersagen mit einbezieht. Kinder bestehen diesen Test, der als wichtiger Schritt in der Bewusstseinsentwicklung gilt, im Alter von etwa 4 bis 5 Jahren. Jüngere hingegen glauben, dass der Zurückgekehrte die Waffe in dem grünen Koffer suchen wird. Ihnen fehlt noch die Fähigkeit, von ihren eigenen Überzeugungen zu abstrahieren. Auch Menschen, die unter Autismus leiden, werden diesen Test nicht bestehen.

Ich glaube mir dünkt es. Der Roboter nimmt wahr, dass der andere verbliebene Avatar die Pistole vertauscht hat. Seine Erkenntnis der Wahrheit sagt ihm also: Wahr ist der grüne Koffer! Und die Möglichkeit, dass der Zurückkehrende diese Wahrheit nicht kennt, ist ihm nicht logisch. Die Wahrheit ist Koffer grün, warum also sollte der Avatar diese Wahrheit nicht kennen?

Ok, das klingt schon “intelligenter”. Aber hat man da nicht einfach dem Roboter gesagt: Bewerte nur das, was der andere wahr genommen hat? Also: Nehme für die Beantwortung der Frage die Position und Wahrnehmung des Avatars als Gegebenheiten an? Das wäre doch auch nicht intelligent!

Aber was ist eigentlich Intelligenz? Oder: Was würde einen überzeugen, dass ein Avatar in einer Welt wie Second Life oder WoW intelligent ist, obwohl dahinter kein Mensch sitzt? Mal davon abgesehen von der bösen Antwort: Er wäre nicht anwesend…
Intelligenz gehöre zu mindestens einem großen Teil zur Definition von Persönlichkeit, gibt Wikipedia Rat, und weiter:

Intelligenz (lat.: intelligentia „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere „verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen. Intelligenz kann auch als die Fähigkeit, den Verstand zu gebrauchen, angesehen werden. Sie zeigt sich im vernünftigen Handeln.

In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden.

Was also hätte der Roboter gemacht, wäre er rausgegangen, statt einer der beiden menschlichen Avatare. Dieser Test hätte für mich vielleicht mehr überzeugt. Hätte er versucht sich in das Denken der beiden hineinzuversetzen. Das klassischen Spiel mit der Nuß in einer der beiden Hände. Dieses Psycho-Spiel, wer sich was wohl am Ende denkt, und die resultierende Erkenntnis, dass es keine eindeutige Antwort geben kann und man beginnt ein Bauchgefühl zu entwickeln – man versucht aufgrund nicht wahrnehmbarer Indizien, wie bspw. den Gegenüber einfach einzuschätzen aufgrund seiner Gesamtheit.

Aber ist das dann Intelligenz? Ist es nicht auch ein reiner Prozeß aus Abwägungen und am Ende eine Frage der Wahrscheinlichkeit?

Für mich ist Intelligenz schon lange nicht mehr dem Menschen vorbehalten, sondern auch dem geschaffenen Produkt: dem Computer. “Die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von Problemlösungen” ist doch am Ende nur eine Abwägung von Wahrnehmungen, Erfahrungen und Informationen. Alles Dinge, die ein Computer grundsätzlich schon kann, vielleicht sogar schon besser als der Mensch, da in der Regel ohne biologischen Leistungsabfall wie Übermüdung und weit höherer Rechenleistung und nicht zuletzt besserem Erinnerungsvermögen.

Was für mich aber einen Menschen vielleicht intelligent macht ist die Fähigkeit – so komisch es klingen mag – Bauchentscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen, die trotz erkennbar anderer Faktenlage eine Intuition darstellt, die nicht beliebig ist, sondern auf eine schier einzigartige Kombinationsgabe von gesammelten, verworfenen, neu bewerteten und im komplett neuen Zusammenhang gebrachten Erfahrungswerten besteht. Selbst eine so “intelligente” Suchmaschine, wie Google (mal neidlos anerkennt), ist der Manipulation des Menschen unterworfen. Jede eingeworfene Regel stellt nur den Stand der Kenntnis dar, der Mensch in all seiner unlogischen Funktions- und Denkweise, reagiert als einzelner bisweilen vollkommen unlogisch und konträr jeder Erwartung, was ihn unberechenbar macht, unkalkulierbar. Dies zu erspüren ist für mich Intelligenz. Eine Intelligenz, die im Übrigen auch manchen Menschen nicht anheim ist und die ich der Menschheit als Ganzes sowieso komplett abspreche. Trends zu erspüren, ja sogar zu setzen, ist zwar im gewissen Rahmen berechenbar, die Revolutionen sind aber oft vollkommen absurde Ansätze, die bei Schöpfung niemand auf dem Tableau hatte, dass es sich durchsetzen würde. Mode z.B. oder Designtrends.

Vielleicht ist das der natürliche Schutzmechanismus des Menschen vor künstlicher Intelligenz: Wer den Menschen verstehen will, also diese Art von Intelligenz haben will, muss einer sein.

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Ich glaub, das war's.