Angst
Apr 9th, 2008 | By Alexander | Category: Essentials, Gesellschaft
Keine Liebe, kein Idealismus, kein Patriotismus, kein Ehrgeiz, keine Aussicht auf Belohnung ist so effizient wie Angst. Sie lähmt, sie lässt zurückweichen, sie isoliert, da in der Angst der einzelne sich selbst vor dem Kollektiv sieht. Angst bringt uns zu Kurzschlussreaktionen, meist zum eigenen Nachteil, lässt unkontrolliert um sich schlagen, davonlaufen, löst Panik aus. Wir werden nervös, reizbar, und verbrämen damit auch die, die uns Gutes wollen. Angst lässt misstrauen, wie besessen nach Beweisen für den Freundesverrat suchen und dabei Brücken abbrechen und Fundamente aufreissen – allein um sich selbst zu schützen, besser keine Freunde als Feinde hinter den eigenen Linien. Was bleibt sind Ruinen, Schatten einer selbst, unfähig den Blick hinaus zu wagen, konditioniert wie ein Elefant mit einer Kordel um seinen Fuß, den er in seinem Kopf als Kette wahr nimmt.
Verführerisch.
Und daher begehrlich, sie zu kontrollieren, die Angst. Vor allem weil es auch so legal ist, sogar demokratisch. Gewissenhaft quasi, vielleicht sogar fürsorgend, wer sie verbreitet, natürlich nur um zu warnen, zu mahnen, zu bewahren. Vor Anfängen, Tendenzen, Zusammenhängen. Vor Fremden, vor Verlust, vor Neuem, vor Anderem. Mächtig macht sie den, der sie kontrolliert.
Doch kostet sie auch, doch nicht dem, der sie schürt. Sie kostet der Gesellschaft, enormes Kapital sogar. Denn Angst kann nicht das bewirken, was Liebe, Leidenschaft, Begeisterung und Hingabe kann: Etwas schaffen, kreativ sein, etwas investieren, teilen, Phantasie enwickeln, Träume haben. Angst kann nur versuchen zu beschützen. Angst bündelt unsere Kräfte auf ein Ziel, und damit fesselt sie sie und bindet sie und entzieht sie damit anderen Dingen.
»Ein Reicher hat 1000 Wünsche, ein Kranker nur einen, gesund zu werden«, sagt ein Sprichwort. Vielleicht kann man es erweitern: »Wer frei ist, hat 1000 Ideen und Ziele, wer Angst hat nur eines, dass die Angst nicht Realität wird.«


