Vorn dabei als Webworker: Do you Poken?
Apr 7th, 2009 | By Alexander Endl | Category: kommunikation, Leitartikel, NetzweltWer bei der re:publica ’09, der Social-Media-Konferenz vom 1.-3. April 2009 in Berlin, sich wunderte, warum erwachsene Menschen mit einem Tamagotchi-Verschnitt mit Biene Maja- oder Pandabär-Anleihen am Hals oder Lanyard durch die Gegend lief, der war schlicht nicht auf der Höhe der Zeit.
So erging es dem Autor dieser Zeilen, der prompt sein Heil beim Trendsetter und Fiedensaktivist Nilzensburger suchte, aber nebulös keine Antwort erhielt – aber sowas macht ja erst neugierig und so wohl auch gewollt.
Dabei ist die Antwort relativ einfach eine Frage: Do you Poken?
Auf der Konferenz war ein möglicher Trend für Webworker namens Poken im Umlauf, eine Art Visitenkarte 2.0, die durch Berührung den Transfer einer digitalen Vistenkarte ermöglichte.
Poken – das Tamagotchi des Web 2.0 – Wie Webworker zeitgemäß digitale Visitenkarten austauschen
re:publica’09 Poken sind kleine Kunststoffwesen, in deren Innerem sich ein USB-Speicher und ein RFID-Chip verbergen. Treffen sich zwei Besitzer dieser modernen Tamagotchis, können sie drahtlos Kontaktdaten austauschen.
Quelle: golem.de
Wer also nicht ganz so lange wie ich am Schlauch stand, sondern sich frühzeitig mit den in Deutschland bisher nur schwer erhältlichen Pokens eindeckte, konnte den Trend mitnehmen und per Poken seine Kontakte spielerisch “per Handschlag” digitalisieren.
The same procedure as every year: Jedes Jahr aufs neue gelingt dem Berliner Blogger-Treffen re:publica das Kunststück, einen Trend zu setzten. 2008 erlebte Twitter nach der Konferenz einen Schub in Deutschland. 2009 heißt der Trend Poken – kleine Plastik-Tamagotchis mit USB-Anschluss und integriertem RFID-Chip. Ihre Funktion: Auf jedem Poken sind die jeweiligen Kontaktdaten des Besitzers gespeichert. Berühren sich zwei Plastik-Kreaturen, tauschen sie ihre elektronischen Visitenkarten aus.
Quelle: meedia.de
Zu Hause oder am Notebook wird der Poken dann am USB-Port eingesteckt und die Daten übertragen.
Hinter dem ganzen steckt eine Schweizer Unternehmen und eine Website doyoupoken.com. Auf dieser Plattform muss man sich (derzeit kostenlos) anmelden und seine Daten hinterlegen, die der andere User später zu sehen bekommt. Dabei sind die Informationen sehr rudimentär, lediglich ein Bild-Upload steht neben klassischen Kontaktdaten zur Verfügung. Schwerpunkt ist wohl die Hinterlegung von socialweb-Daten, also Kontaktmöglichkeiten via Xing, IM, Facebook, myspace oder Twitter. Dass man bei der Anlage dieser Daten als Nutzer seine Zugangsdaten und Kennung(!) angeben muss, mag aus Gründen der Überprüfung der Echtheit verständlich sein, dürfte aber bei so manchem gehörige Bedenken auslösen nicht nur in punkto Datenschutz.
Witzig ist das Ganze in jedem Fall, eine vorsichtige erste Nutzung von RFID in der zwischenmenschlichen Praxis sozusagen. Ob die Pokens, die “ab Mai 2009 in Deutschland über das Internet erhältlich sein” sollen und “dann 14 Euro” (Quelle: golem.de) kosten, sich über einen Hype, der so manchem schon von Beginn an nervte, hinausgehen wird, dürfte mehr als fraglich sein. Das Bonussystem bei Poken (viel Nutzung bringt Preisvorteile bei Neuanschaffung weiterer Pokens und andere Prämien) könnte zwar manche zu extensiver Nutzung verleiten, die eigentümliche “kitschige” Form der Pokens dürfte im Business-Bereich aber eine Verbreitung erschweren. Auch das Procedere der Notwendigkeit von Zugangsdaten (siehe oben) dürfte viele abschrecken.
Die Idee ist gut, aber ich denke, dass sich entweder ein anderes Format durchsetzt, also eines, das direkt auf bestehende Web 2.0 Anwendungen wie Facebook & Co. aufsetzt ohne einen weiteren Dienst zu benötigen, oder direkt eine Standard-Visitenkarte für RFID entwickelt wird, die Plattform- und Anwender-übergreifend funktioniert und bspw. auch in Microsoft Outlook direkt übernommen werden kann.
Aber wer Spaß daran hat und die Bedenken wegen Datenschutz nicht teilt, dem steht für die nächsten Barcamps und Web-Konferenzen einem fröhlichen Poken nichts im Wege.
Ich habe meinen Poken übrigens auf der re:publica direkt vom Veranstalter Johnny Haeussler aus seinem Privatbestand erworben, da die vorrätigen Pokens längst ausverkauft waren, und trage meine “Biene Maja” deswegen natürlich in besonderen Ehren – bis dass der Trend uns scheidet.



