Gogo’s Crazy Bones-Mania am Schulhof – jetzt auch als “Serie 4″
Nov 8th, 2009 | By Alexander Endl | Category: Freizeit, Leitartikel, VerbraucherDer aktuelle Renner am Schulhof (zumindest hier in Frankfurt) sind die “Gogo’s Crazy Bones”. Damit könnten die Gogos der legitime Nachfolger der “Wrestling-Chipz” werden, die immer häufiger in Schulen und im Hort untersagt werden. Eine Reaktion auf den teilweise exzessiven Umgang der Schüler mit den Chipz, denn so mancher verlor seine (nicht gerade billigen) Chipz zu schnell wieder an Mitschüler (und das nicht immer unbedingt “regelgerecht” …) und entsprechender Ärger war fast vorprogrammiert.
So manchen Eltern wird das ganz Recht sein, hatten viele mit dem Motiven der Chipz so ihre Probleme, ebenso wie mit der Unterstützung des ganzen Wrestling-Hypes – zu martialisch vielen das dahinterstehende Wrestling-Spektakel. Die in diesem Jahr jetzt nun zunehmend auf die Schulhöfe drängenden “Gogos” wirken da zumindest optisch kindgerechter und erinnern ein wenig an die japanischen Pokémons.
“Gogos”, oder auch “Crazy Bones” genannt, entstammen in der Spielidee angeblich einem alten griechischen Kinderspiel, bei dem mit Schafsknochen gespielt wurde – daher auch “crazy bones”, also “verrückte Knochen”. Die Kinder spielen entweder ganz traditionell, indem sie ihre Gogos auf den Boden stellen und versuchen die der Gegner mit dem Wurf eigener Spieler umzustoßen, oder in andere Spielvarianten mit Namen wie “On-Line”, “Battle”, “Bowling”, “Bomber”, “Airborne” oder “Basket”.
Ein “Doppel”-Wurf im traditioneller Spielvariante in Aktion:
Neben Spielspaß wird auch die Sammelleidenschaft bedient: Die Gogo-Verkaufspackungen, die u.a. am Kiosk für aktuell 1,50 Euro pro Packung (Serie 2) erstanden werden, enthalten drei Gogos-Spielfiguren plus je einem Sticker/Aufkleber, der in ein Sammelheft eingeklebt wird. Gogos und Sammel-Sticker werden dann unter den Kindern zur komplettierung der Sammlungen (80 Figuren gibt es in Serie 2) verschenkt, getauscht und gehandelt – auch das nicht immer zur Freude und mit Billigung der Eltern und zudem nicht immer reibungslos…
Aktuell handelsüblich erhältlich sind “Gogo’s Crazy Bones” der Serie 2 “GoGo’s Crazy Bones Evolution”, vereinzelt noch Packungen der Serie 1, die aber - zumindest hier in Frankurt - quasi der “gesellschaftliche Tod” sind. Wer mit Einser-Serien ins Spiel einsteigen möchte, wird oft abgewimmelt – total “out”. – Einige der Serie 2-Gogos sind halbtransparent mit Glitzer und entsprechend besonders begehrt.
Was noch nicht alle wissen werden: Aktuell wird von Magic Box Int. in England bereits Gogo’s der Serie 4 vertrieben, die die zwischenzeitliche Serie 3 “GoGo’s Crazy Bones” sogar gleich überholen. “GoGo’s Crazy Bones Power” (Serie 4) sind wie die 3-Serie teilweise “metallisch” und – ebenso eine Neuerung – werden statt mit Stickers mit Sammelkarten ausgeliefert, die wiederum nun in entsprechenden Einsteckalben archiviert werden können. Das Prinzip erinnert dabei an die Sammelalben von Match Attax.
Wer sich als Eltern jetzt unbeliebt machen will, der ordert für seine Kids jetzt schon Serie 4-Gogos und gibt diese mit in die Schule, die bei Amazon bereits als Starter-Set erhältlich sind (Amazon: Gogo’s Crazy Bones Serie 4 Power Starter Pack mit Album und 2 Booster Pack). Das Risiko damit eine Kettenreaktion auszulösen sollte man sich aber vergegenwärtigen. Denn die Aussicht, dass die aktuell noch gehandelten Serie 2-Gogos damit sofort “veralten” (und damit ganze “Sammlungen” wertlos) kann nicht geleugnet werden. Damit wird man sich nicht gerade Sympathien bei den anderen Eltern verschaffen …
Ob den Gogos an manchen Schulen schnell ein ähnliches “Schicksal” wiederfahren wird wie den Chipz, ist noch nicht ganz absehbar. Das Konfliktpotential erscheint jedenfalls vergleichbar zu sein, auch wenn die Gogos insgesamt etwas “kindgerechter” erscheinen. Aber eines ist auch klar: Nur weil etwas “niedlicher” aussieht macht es die Sache nicht weniger brisant. Die ehrwürdige FAZ sieht das Problem, beleuchtet aber wohlwollend die pädagogischen Effekte. Auszug aus “Auf dem Planeten Gogo”
In der Gogo-Welt können Kinder Glück und Unglück verarbeiten
Wegen ihres Konfliktpotentials sind die Plastikmonster in einigen Schulen und Kindertagesstätten schon verboten. Julia Hendrich, Klassenlehrerin der 2c, gewinnt dem Phänomen aber auch positive Seiten ab. Das Spiel und die Figuren brächten wertvolle Erfahrungen mit sich. So könnten die Schüler lernen, selbst Lösungen für ihre Konflikte zu finden. Außerdem dienten die kleinen Monster dazu, eine Phantasiewelt aufzubauen, in der die Kinder ihre Alltagserlebnisse, ihr Glück oder Unglück verarbeiten könnten.
Obwohl Streitigkeiten manchmal eskalieren, hält es Hendrich weder für möglich noch für erstrebenswert, Gogos komplett aus dem Schulalltag zu verbannen. Besser sei es, die Figuren sinnvoll in den Unterricht einzubinden. Wie sie sagt, lernen die Schüler ihrer Klasse momentan, kurze Geschichten zu schreiben. Zur Hilfe und zum leichteren Einstieg dienten Stichwörter, die im Verlauf des Textes erscheinen sollen. Einmal habe sie „Skateboard, Flugzeug und Gogo“ als Begriffe vorgegeben. Daraus seien wunderbare Kurzgeschichten entstanden, die sich rund um die Welt der Plastikmonster rankten.
Ob Chipz, Pokemon, Match Attax oder Gogos – der erzieherisch kritische Blick auf den Umgang mit den Spielsachen und dem Umgang der Kids diesbezüglich untereinander wird einem nicht erspart bleiben. Wer generell gegen solche Trends sich als Erziehungsberechtigter stemmt sollte sich aber auch bewusst machen, dass diese Figuren und Sammelgegenstände heute zum Alltag der Kinder gehören und Kinder aus ihrer kleinen “Schul-Gesellschaft” ausschließen kann oder umgekehrt ihnen Türen öffnet. – Vielleicht hilft manchen Eltern wenn sie sich zurückerinnern, dass die Gogos und Chipz von Früher die Murmeln und Panini-Fußballbildchen waren – so viel anders ist das nämlich gar nicht. Und wer hat nicht selbst auch mal früher so manchen Groschen beim webbeln (auch bekannt als Pfenning-fuchsen oder schebbeln) gewonnen oder auch verloren.
Was definitiv ein Problem ist und bleibt: Wenn Eltern meinen, ihren eigenen Ehrgeiz oder Selbstdarstellungsdrang dadurch zu befriedigen, dass sie die eigenen Kindern mit allem eindecken, was am Markt erhältlich ist. Die dadurch entstehenden sozialen Neidigkeiten sind weit problematischer als der mit Schummeln zu Unrecht erlangte Gewinn im Spiel…




