Die Google Mobil-Strategie mit Nexus One

Dez 21st, 2009 | By Alexander Endl | Category: Allgemein, Leitartikel

Im folgenden eine gewagte Theorie, rein subjektiv spekuliert und bar jeder Grundlage

Wozu braucht Google ein eigenes Handy?

Dass es kommt, scheint beschlossene Sache, wie es heisst, auch: Google Nexus One

Google bringt damit, den Berichten zu Folge, zusammen mit dem Hersteller HTC (Quelle) tatsächlich ein eigenes Handy auf den Markt. Doch wozu? Wozu bewegt sich ein Internet-Dienstleister mit Spezialgebiet “Suchmaschine” in die Niederungen des Herstellersegments? Will Google wirklich Apple mit dem iPhone angreifen? Wozu?

Nein, wie man es auch dreht und wendet, es macht auf den ersten Blick keinen Sinn. Google ist kein Hardware-Hersteller, auch wenn Google draufsteht. Und Google wird auch weiter (wie wohl aktuell in den USA) das Handy zunächst über T-Mobile & Co. vertreiben. Das ist es also nicht, aber was dann?

Wer die Entwicklung Googles die letzten Jahre verfolgt könnte eine klare Strategie herauslesen: Dateninformationshoheit und darauf basierend die Möglichkeit uneingeschränkter Herr der Werbung zu werden. Aufgrund seiner unglaublich detaillierten Daten über Nutzer und Nutzerverhalten ist es Google möglich, den Werbemarkt derart präziese zu bedienen, dass Information und Werbung beinahe schon verschmelzen, wenn es denn unabhängig wäre (eine ‘gute’ werbliche Empfehlung ist eben noch keine unabhängig gute Empfehlung…).

Googles Strategie ist: Gebt den Leuten, was sie brauchen um sich online zu bewegen und zu kommunizieren, dann nehmen wir uns, was wir brauchen unser Ziel zu erreichen. Kurzum: Google verschenkt Leistungen, für die andere gern Geld eingenommen hätten, und die Nutzer geben dafür ihr Nutzerverhalten preis. Vielleicht kein schlechter Deal, vielleicht auf Dauer ein sehr “teurer” für die Nutzer, die ihre persönlichen Profile an Google, Facebook & Co. bereitwillig liefern, was vielleicht eines Tages einmal teures Gut werden könnte. Aber jetzt ist nicht Zeit zum moralisieren.

Google dürfte eines erkannt haben: Die Zukunft ist mobil. Mit mobilen Zugängen und Endgeräten nimmt der Nutzer “die letzte Meile”, nämlich die Unabhängigkeit seines Nutzerverhaltens von einem festen Einwahlpunkt oder Endgeräts. Wenn der Nutzer sein Nutzerverhalten überall ausüben kann, wird das Profil lückenlos. Zudem hat man als Mobilfunkprovider die Daten über Bewegung und Aufenthaltsort – Informationen, auf die Google derzeit nur eingeschränkt zugreifen kann.

Bringt Google also ein mobiles Endgerät mit Vollzugriff auf die Software, hat man zumindest schon mal die erste Hürde genommen und rückt näher an den Nutzer heran. Die zweite Hürde wird aber eine größere und weit spektakulärer im Markt einschlagen, wenn denn die Theorie stimmt: Google wird direkter Anbieter im Mobilfunksektor.

Um wirklichen Vollzugriff auf die Daten des Nutzers zu bekommen müßte Google eine Infrastruktur schaffen, die es erlaubt von T-Mobile & Co. sich zu emanzipieren. Möglich wäre das bspw. als Anbieter von WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access), einer WLAN-Technologie, die in den USA längst eingeführt ist, die aber in Deutschland – wie böse Zungen munkeln – zu Gunsten der einnahmestarken UMTS-Lizensierung zurückgehalten wird. Alternativ wäre noch – sollte sich WiMAX nicht mittelfristig etablieren lassen – die Einführung von flächendeckenden Hotspots der WLAN-N-Technologie. Das wäre der etwas mühseeligere Weg, denn diese Technologie reicht im freien Gelände auch “nur” bis 650 Meter, erscheint aber nicht undenkbar in Ballungsräumen. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken mag, hat Google entsprechend in San Francisco Tests gefahren in den letzten Jahren und entsprechende Erfahrungen gesammelt.

Evtl. greift man in den Anfangstagen sogar auf die T-Mobile-Hotspots des “Partners” in Deutschland zurück. Perspektivisch wäre der Deal für T-Mobile aber ein Pakt wie Faust mit dem Teufel, denn Googles Plan wäre dieser Theorie nach nicht eine gemeinsame, sondern eine einsame Zukunft inklusive der faktischen Elimierung des Mobilfunkmarkts. Warum?

Nur mal angenommen, diese Theorie stimme, was bedeutet sie? Google würde die Zugänge für ihre Kunden resp. die Google-Nutzer sukzessive ausbauen. Der Einstieg zunächst mit 1-2 Endgeräten und ggf. unter Mit-Nutzung der Infrastruktur des Partners wäre dabei google-like – eine Beta-Phase mit ausgesuchtem Early-Adopters-Clientel, die bereit und in der Lage sind die Stärken und Schwächen auch auszuloten und bereitwillig ihr Feedback in ihren Blogs und Tweets der Welt mitteilen. Mit zunehmender Stabilität des Konzepts würde man evtl. sogar google-like “kostenlos” den Zugang über Google-Endgeräte allen Google-Nutzern zur Verfügung stellen. Was für ein Angebot! Inklusive IP-Telefonie wäre man dann wenigstens in Ballungsräumen ohne SIM-Card in der Lage Daten und Telefonie zu nutzen. Wer würde das nicht als begehrlich ansehen?! – Und wo es keinen Google-Hotspot gibt, hat man zur Not ja noch UMTS.

Sich dabei des Partners zu entledigen bzw. ihn in existenzielle Nöte zu bringen wäre nicht wirklich tragisch, denn für Google wäre demzufolge der gesamte Ansatz der Mobilfunkbranche ein dem Tode geweihtes Geschäftsmodell. Wie bereits im Festnetzbereich sind Mobilfunkleistungen nur noch für kurze Zeit wirklich kostenpflichtig zu vermarkten. Schon heute legt 1&1 ihren Kunden quasi gratis eine SIM-Karte mit Kostenlosleistungen bei. Einer so innovativ denkenden und handelnden Firma wie Google muss es fast antiquiert vorkommen, mit Unternehmen zu arbeiten, die auf Modelle setzen, die längst überholt sind und z.T. nur noch künstlich am Leben gehalten werden, wie das WiMAX-Beispiel zeigt. Schlimmer aber vielleicht noch, dass man offenbar auch keine Konzepte für die Zukunft hat.

Wer auf entsprechenden Messen und Vorträgen Ideen und Konzepte für eine Verwertung des Nutzerverhaltens sucht, stößt maximal auf einige erste Ansätze. Bezahlinhalte kommen jetzt erst langsam in den Sinn, wo man bereits seit 10 Jahren daran hätte arbeiten müssen. Statt dessen betrieben die Redaktionen nach Kostenlos-Wahn “Downsizing” und setzten statt auf intelligente Zahlsysteme auf Einsparungen im redaktionellen Bereich mit entsprechenden Verlusten an Qualität. Der Markt mit Paid-Content hätte ein großer werden können und wäre in den Anfangstagen, als jeder darauf wartete wann denn die Bezahlpflicht kommt, einfach einzuführen gewesen. Statt dessen fehlen bis heute immer noch Konzepte auf breiter Basis und man verstrickt sich in proprietären Lösungen – und bei den Nutzern ist die Kostenlos-Kultur, nachdem sie nun mal da ist, kaum mehr aus den Köpfen zu kriegen.

Google dagegen hat seine Cash-Cow bereits am Start: personalisierte Werbung. Ein bereits jetzt bestehendes und vollständig funktionierendes System aus Werbenden und Werbeflächenanbieter in einem eigenen Netzwerk. Was jetzt noch fehlt ist nur “die Hand am (mobilen) Pott” in einem erst aufwachenden mobilen Markt – am besten bevor es ein anderer tut.

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Ich glaub, das war's.