Netzneutralität – ganz ganz einfach erklärt für jedermann

Aug 19th, 2010 | By | Category: Leitartikel

Derzeit geistert das Thema Netzneutralität durch die Medien und Social Communities – doch was das genau ist, werden wohl die wenigsten erklären können. Netzneutralität klingt zunächst mal nach Meinungsfreiheit oder irgendwas mit Zensur, hat damit aber nichts zu tun.

Und Wikipedia hilft im Verständnis für den Laien da auch nur bedingt weiter:

Netzneutralität ist eine Bezeichnung für die neutrale Datenübermittlung im Internet. Sie bedeutet, dass Zugangsanbieter (access provider) Datenpakete von und an ihre Kunden unverändert und gleichberechtigt übertragen, unabhängig davon, woher diese stammen oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben.

Versuchen wir es also mal mit einer allgemeineren Erklärung und zäumen das Pferd von hinten auf:

Jedes Auto darf auf der Straße so schnell fahren wie die Polizei es erlaubt. Dass ist der Grundsatz des Straßenverkehrs, eingeschränkt durch das übliche Maß der Vernunft, der Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs und äußeren Bedingungen wie Wetter und Verkehr. Netzneutralität ist im Grunde das gleiche Prinzip im Internet, nur dass die Autos die Daten sind. Jedes Datenpaket darf den Internet-Highway befahren, so schnell es der Verkehr eben zulässt: Das ist die Neutralität des Netzes – Alle Daten sind vor dem Internet gleich.

Wenn heute Google und Verizon im Verizon-Google-Legislative-Framework-Proposal (via) danach streben, diesen Grundsatz aufzuweichen bzw. davon Abstand zu nehmen, dann ist das in etwa so, als würde (nur als Beispiel) VW und Mercedes-Benz vorschlagen, doch Sonderregelungen einzuführen, die eine bevorzugte Nutzung der Straße für ihre Modelle beinhaltet.

Das kann man nun so oder so verpacken: Die einen würden sagen, dass es ja auch Sinn mache, in bestimmten Fällen, bspw. notorische Linksfahrer mal von der Linken Spur auszuschließen und gerade Kleinwagen wären ja vielleicht gar nicht geeignet für die linke Spur, und damit die Einführung von Ausnahmen legitimieren. Aber was uns die Geschichte gelehrt hat: Mit der Aufhebung von Grundsätzen sollte man sehr vorsichtig sein und die Konsequenzen sensibel abwägen.

Sicher mag es Sinn machen, bspw. Nachrichten schneller zu transportieren und dafür unwichtigen Kram, wie Massenmails, mal hinten auf dem Datenhighway anstellen zu lassen, aber es dünkt einem doch das Risiko, dass es bei den rein pragmatischen Regeln nicht bliebe – das dann bspw. Bezahlinhalte vor Kostenlos-Inhalten kämen, dass Premium-Hoster ihre Kunden bevorzugt erreichbar machen würden während der kleine Blogger hinten ansteht und seine Besucher mit langen Wartezeiten zu rechnen hätten, es sei denn er greift auch tiefer in die Tasche.

Nein, auf der Straße und im Internet sollte es sein wie mit der Luft, die wir atmen: Wir müssen alle gleich sein. Vor allem dürfen keine wirtschaftlichen Interessen die Verteilung regeln. Wenn Regelungsbedarf besteht, dann sollte das durch unseren Gesetzgeber erfolgen, doch wie schwer die sich mit sowas tun, ist hinlänglich bekannt und zeigt sich erst jetzt wieder bei Google Street View, wo sich die Politik am Ende von einem Internet-Unternehmen an der Nase lang führen lässt. Da kann Verbraucherschutzministerin Aigner noch so fordern: “Google kann sich keinen Fehler mehr erlauben” (SPON) – es ist die Politik, die sich durch ihre Untätigkeit schon mehr als nur einen Fehler zu viel in Sachen Internet erlaubt hat.

Netzneutralität ist eine wichtige Grundregel, vielleicht sowas wie ein “Grundrecht”. Die Politik sollte sich das nicht auch noch aus der Hand nehmen lassen, indem Unternehmen schneller Fakten schaffen, als sich ein Ausschuß zum Thema einbefunden hat.

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Ich glaub, das war's.