m2: Wie Social Media das Corporate Publishing verändert
Nov 10th, 2011 | By Alexander Endl | Category: Leitartikel, Medien
Der MedienMittwoch, eine Initiative zur Förderung des Medienstandorts FrankfurtRheinMain, lud in seiner November-Veranstaltung in das Kurhaus Bad Homburg. Thema des Abends:
Wie Social Media das Corporate Publishing verändert
Unter der Moderation von Wolfgang J. Borgfeld sprachen Dieter Rappold, Geschäftsführender Gesellschafter, vi knallgrau GmbH, Peter Pfänder, Chefredakteur, wdv Gesellschaft fuer Medien & Kommunikation mbH & Co. OHG, sowie – last but not least - Birgit Ursprung, Abteilungsleiterin Marketing/Kommuniation, AOK Nordwest, über “Was können Unternehmen mit Social Media erreichen? Wie können die Abteilungen Marketing, Public Relations, Human Resources, Vertrieb etc. diese sozialen Medien nutzen? Sind die eigenen Zielgruppen über Social Media erreichbar? Kann man im Social-Media-Bereich Neukunden gewinnen? Diese und weitergehende Fragen diskutieren Social-Media-Fachleute bei diesem Corporate-Publishing-MedienMittwoch mit Kommunikationsverantwortlichen von Unternehmen.”
Leiden derartige Veranstaltungen bisweilen darunter, dass der Wille zum freundlichen Konsens über die kritische Auseinandersetzung mit einem Thema obsiegt, so kann man dies diesem Abend nicht vorwerfen. Natürlich war auch dieser Abend eine willkommene Chance zur Selbstdarstellung aller Beteiligten und ihrer Unternehmen, am Thema aber rieb man sich dann doch und das ganz grundsätzlich, was auch in der Kürze der Zeit einige der ganz wichtigen Punkte des Themas zu Tage förderte – eines davon: Wie relevant ist das Social Web überhaupt? oder anders formuliert: Ist das Social Web (schon) so relevant, dass ich was tun muss? Dieter Rappold und Birgit Ursprung auf der einen, Wolfgang Borgfeld und Peter Pfänder auf der anderen Seite, sahen das durchaus kontrovers.
Im pointierten Kurzreferat konnte Dieter Rappold den Mythos Social Web zumindest insoweit entmystifizieren, dass Agenturen wie knallgrau bereits sehr systhematisch an das Thema herangehen und man auch bemüht ist, den Entscheidern handfeste Geschäftsmodelle aufzuzeigen und diese zu fakturieren. Ob die Berechnungsgrößen über den Medienwert eines Social-Web-Kontakts dann reale Werte sind, ist wohl genau so wahrscheinlich wie die Hochrechnungen klassischer Printmedien, aber sie bieten Anhaltspunkte und Größenordnungen, mit denen man arbeiten kann. Mindestens genau so wichtig aber war die Botschaft, dass Social Web für Unternehmen kein “Mitmach-Web” ist, bei dem man einfach so mitmacht, sondern dass man hier ziemlich viel richtig, aber eben auch ziemlich viel falsch machen kann.
Hier einige zentrale Thesen von Dieter Rappold:
“Social Media ist ein wunderbares Instrument für einen Selbstbild/Fremdbild-Abgleich.”
#m2 (via Twitter)“Social Media erfordert das Umdenken von Aufmerksamkeit suchen zu Aufmerksamkeit schenken.”
#m2 (via Twitter)
Social Web erfordert ein Umdenken, also etwas, was Unternehmen sich nicht zukaufen können, weil es aus ihnen selbst heraus kommen muss. Dienstleister können da nur Initialzündungen geben und Unterstützung anbieten, aber den Prozess selbst nicht abnehmen. Doch genau davor scheut man sich, gerade weil das Social Web sich in einer derart dynamischen Entwicklung befindet. Hier zu investieren scheint für viele zu unsicher, man warte da besser noch ab. Ob das Abwarten aber nicht fatal sein kann, da man zwar Leistungen dem eigenen Portfolio hinzufügen kann, aber verpasste strukturelle Prozessänderungen nachträglich nur schmerzhaft oder teuer werden, wenn nicht gar existenzkritisch, bspw. wenn die Konkurrenz hoffnungslos enteilt ist, ist wohl eine der Fragen, die so viele Besucher in den gut besetzten Landgraf Friedrich Saal gezogen hat.
“Frage: Welches Unternehmen braucht kein Social Media? Das, das auf Kundenkontakt im Geschäftsmodell nicht angewiesen ist.”
#m2 (via Twitter)
Der MedienMittwoch kann solche Fragen nur anreißen, aber keine Lösungen anbieten, das ist klar. Die aufgeworfenen oder auch gestellten Fragen aber waren die richtigen, auch wenn natürlich das alte Vorurteil, im Social Web werde doch meist nur unrelevantes Zeug gebabbelt, wieder einmal bemüht wurde – und das sogar vom Moderator selbst. Und so musste sich die Organisation des MedienMittwoch auch die kritische Frage aus dem Auditorium gefallen lassen, wie man so ein Thema moderieren will, wenn man hier Kompetenz vermissen lässt. Die Kritik bezog sich dabei nicht nur auf die Moderation: Weder gibt es eine Facebook-Page zum Medienmittwoch noch wird ein Twitter-Channel angeboten – ja nicht einmal ein Hashtag für den MedienMittwoch wurde ausgegeben, eigentlich ein Muss für eine Medienveranstaltung heutiger Tage. Was dabei für Potenzial “verschenkt” wird, zeigt ein einfaches Beispiel aus der Praxis: Der oben zitierte Tweet, den Zielpublikum während der Veranstaltung an 630 Follower absetzte, wurde kurze Zeit später von einem anderer Twitterati retweetet und erreichte somit insgesamt über 1.200 Personen. Vergleicht man das mit der Zahl der im Saal physisch Anwesenden, kann man sich vorstellen, wie man die Reichweite des MedienMittwoch einfach und effizient erweitern könnte. Aber das geht eben nur, wenn man nicht nur über die Chancen und Risiken des Social Web redet, sondern es auch aktiv mit gestaltet.


