Bayern München, oder: Wie bastle ich mir einen Shitstorm

Jan 26th, 2012 | By | Category: Leitartikel

Screenshot (Original ohne Smiley)

Es sollte wohl eine “witzige” PR-Aktion werden, als Bayern München zur kurzfristigen Pressekonferenz via Website und Facebook aufrief, um einen überraschenden Transfercoup zu verkünden. Um 14:00 Uhr Ortszeit sollte Nerlinger im Beisein von Lahm den spektakulären Neuzugang für den Offensiv-Bereich verkünden, doch am Ende wurde den verdutzten Facebook-Usern, die sich aus Neugier für die Online-Pk registrierten, nur das eigene Facebook-Bild vor die Nase gehalten.

Was als Signal für den “Fan als zwölfter Mann” gedacht war, ging aber schwer nach hinten los. In kürzester Zeit machte der #shitstorm die Runde. Erboste Bayern-Fans, die die Aktion gar nicht komisch fanden (vor allem nicht nach einer eher peinlichen Niederlage am Wochenende), und die Häme der konkurrierenden Fans flutete das Social Web.

Was hat man in München falsch gemacht? Gleich mehrere Faktoren sind hier zu nennen, zu dem auch das Timing zählt. Gerade nach einer Niederlage und dem Verlust des Vorsprungs in der Tabelle, was man seitens Münchner Fans als obligatorisches Recht beansprucht, ist nicht gerade ein fruchtbarer Boden für Scherzchen mit dem Fan. Gerade im Fußball, wie gerade Bruno Bauer, zuständig für die satirische Kolumne “Der Platzwart” in der HAZ, im Interview bei Clubfans United bestätigte, ist Humor im Fußball eine schwierige Sache, denn viele Fans nehmen Fußball einfach zu ernst. Dass der Server dann offenbar dem Ansturm nicht gewachsen war und viele den vermeintlichen PR-Gag gar nicht mitbekamen, machte die Sache nicht besser.

Dazu hat der FCB aber auch einfach Regel No. 1 im Social Web nicht beachtet: “Verarsche deine Leser nicht.” Man kann sich selbst hochnehmen, oder die Konkurrenz, aber nicht seine Leser und Fans. Nicht einmal in München und nicht einmal mit einer vermeintlichen Solidaritätsbekundung.

Immerhin dürfte Bayern München damit das erreicht haben, was als eigener Anspruch ja gern definiert wird: Die Nummer 1 zu sein. Denn den Titel des “Social Web Fail des Jahres 2012″ wird nun schon im Januar uneinholbar vergeben sein. Und das Beispiel, das man vollkommen unnötig servierte, wird ab sofort in keiner guten Social Media-Berater-Präsentation fehlen. So kann man sich auch in die Geschichtsbücher eintragen…

Die Social Media-Welt verfolgt nun aufmerksam den Ausbruch des “Mount Shitstorm” in München und wie man mit den Folgen umgeht. Bleibt zu hoffen, dass die Sportbild mit ihrem Tweet daneben liegt, jedenfalls wenn man nicht gleich alles komplett falsch machen will an einem Tag, Teil 2 dann in der Krisenkommunikation:

Die Fans läuten Sturm. So viele Beschimpfungen auf Facebook, dass Bayern mit dem Löschen nicht nachkommt *falk #fc bayern
http://twitter.com/#!/SPORTBILD/status/162549673968680961

Update: Auch drei Stunden später wartet man im Übrigen vergebens auf eine offizielle Reaktion auf die Fanreaktionen. Statt dessen prangt weiter eine Meldung auf der Homepage, die weitere Videos ‘androht’: “In den kommenden Wochen werden weitere Video-Clips folgen, die die Entwicklung des „neuen Spielers“, zum Beispiel in Trainingseinheiten, zeigen werden.” Mittlerweile haben fast 5.000 Fans bei Facebook ihre Meinung kund getan.

Links:
- Bayern München nutzt Social Media für peinlichen PR-Gag
- Bayern verpflichtet S. Hitstorm
- …und wir dachten immer, der Club sei der Depp
- Bayern-Fans ärgert “dumme Verarsche” des Klubs
- FC Bayern verschaukelt seine Fans

Bild: Screenshot – “Smiley” nachträglich montiert

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Ich glaub, das war's.